"Culture in Residence" ist ein mehrmonatiges Projekt (Februar bis September 2020) der Galerie Mayhaus mit der Absicht die Diversität und Vielfalt in der Kulturlandschaft zu fördern.

 

Der Auslöser: Die beiden Galeristen Ilja Steiner (Südamerika, 7 Monate) und René Steiner (Europa, 5 Monate) verlassen das gewohnte Umfeld und bereisen nach 10 jähriger ununterbrochener Tätigkeit als Galeristen wieder die Welt. Ab Herbst 2020 werden sie die Galerie Mayhaus wie gewohnt weiterführen. 

 

Die Chance: "Der Galerist der immer wieder die Diversität / Vielfalt anstrebt ist gleichzeitig ein Hindernis der selbigen. Dementsprechend muss er vielleicht verschwinden um sein Ziel, seinen Wunsch, seinen Anspruch zu erreichen und vertrauen in die Kunst und die Kunstschaffenden zeigen, dass sie sein Ziel vervollständigen." In den letzten 10 Jahren hat die Galerie ihr Programm so ausgerichtet, dass die Ausstellungen jeweils in sich, aber auch gegenüber einander spannende, vielfältige Positionen enthalten und nicht den gleichen Ideen oder Mustern folgen. Dennoch waren die Galeristen immer die gleichen und somit die einzigen Konstanten. Diese Konstante verschwindet für sieben Monate und eine neue Möglichkeit für Ideen, kreative Umsetzungen oder Impulse ist geschaffen. 

 

Das Projekt: Um die Abwesenheit der Konstanten zu nutzen, wurde durch die Galerie Mayhaus ein Projekt ins Leben gerufen, das den oben definierten Ansprüchen gerecht wird. Im gestalteten Gesamtprojekt wurden sechs Kulturschaffende ausgewählt die während der Abwesenheit der Galeristen die Galerie temporär bespielen und dabei Carte Blanche geniessen.

 

Das Ziel Dementsprechend soll in den sechs Projekten von Februar bis September 2020 die beschriebene Chance umgesetzt werden. Die Galerie Mayhaus wird so weiterhin und gleichwohl divergent zum Bisherigen durch die externen Kulturschaffenden zum Schauplatz von Kreativität, Individualität und Interaktion.

Gerne informieren wir Sie hier in Zukunft über dieses spannende Vorhaben mit detaillierten Informationen zu den einzelnen Projekten. 

 

Umsetzung der einzelnen Projekte:

Salomé Bäumlin und Linck Keramik

Urs Dickerhof

Lis Kocher / Dieter Seibt / Beat Feller / Therese Berner

Erdsichtgruppe

Andrea Anastasia Wolf & Lis Blunier

Stefan Nussli

Gesamtkonzept und Umsetzung:

Galerie Mayhaus Ilja & René Steiner 

 


Residence 1

Zeitraum: 14. Februar bis 15. März 2020

Vernissage: Freitag 14. Februar 2020 um 18 Uhr 

Beteiligte Kulturschaffende: Salomé Bäumlin & Linck Keramik

www.salomebaumlin.ch / www.linck.ch

 

Zur Ausstellung:

Entre noir et blanc

 

In der ersten Ausstellung des Residence-Zyklus begegnen sich zwei künstlerische Positionen, Margrit Linck *1983 mit Linck Keramik und Salomé Bäumlin 1980. Zu unterschiedlichen Zeiten geboren finden sich in den grossen gesellschaftlichen Herausforderungen der beiden Frauen verschiedenste Parallelen. Die beiden schweizer Künstlerinnen sehen in den archaischen Handwerken Töpferei und Teppich ideale Medien für ihre Werke. Die traditionelle Herstellungsweise und die natürlichen Rohstoffe, Ton und Wolle ermöglichen in ihrer Einfachheit Freiheit und experimentelles Schaffen. 

 

Klare Formen, Reduzierung auf das Wesentliche, bis hin zum Konkreten das im Alltag nebst Eigenständigkeit und Poesie auch Gebrauch finden kann.

 

Während der Ausstellungsdauer im Mayhaus werden an den Wochenenden verschiedene Veranstaltungen stattfinden. 

 


Residence 2

Zeitraum: 22. März bis 19. April 2020

Vernissage: Sonntag 22. März 2020 um 15 Uhr 

Beteiligte Kulturschaffende: Erdsichtgruppe

 

Zur Ausstellung:

Erdsicht

Künstler: Anna Neurohr, Hansjörg Bachmann, Ueli Studer, Ruedy Schwyn

 

"Ich stehe auf der Erde, das ist mein Standpunkt". Robert Walser

 

Durch die rasend wachsende virtuelle Welt gerät die reale, stoffliche, lebensbildende Basiswelt in algorhythmische Reduktion und entgleitet uns Menschen oft in schattenhafte Abseitigkeit und Vergessenheit.

Der bekannte, sich mit Natur und Geologie auseinandersetzende Maler Kirkeby sagte: "Um ein tieferes Verständnis aller Normalität, das weiter reicht als jede aktuelle Kultur zu bekommen, braucht es eine Art geologisches Verständnis aller Dinge. Dieser Ansatz steuert meine Arbeit".

 

Das Projekt ERDSICHT hat das Ziel diesen Zusammenhang zwischen äusserer, planetarischer und innerer, seelisch-geistiger "Geologie" aus einer Vielfalt von künstlerischen Ansätzen und Umsetzungsformen anzugehen. Erdmaterie, die daraus erwachsende Natur und planetarische Skulptur, sollen als vorbewussten Urzustand des Geistes erfahrbar werden, denn Raum-,Licht- und Stofflichkeitssituationen sind entscheidende Basiselemente des menschlichen Seins und prägen seine Wahrnehmung und Kultur. 

 

Begleit-Events mit Musik, Performance und Lesung werden erweiternde, vertiefende Erfahrungen des Themas einbringen.

 


Residence 3

Zeitraum: 26. April bis 24. Mai 2020

Vernissage: Sonntag 26. April 2020 um 15 Uhr 

Beteiligte Kulturschaffende: Urs Dickerhof

 

Zur Ausstellung:

As Long As I Have You

& andere letzte Bilder seit 2016,

sowie Einzelnes seit 1958

 

Der Maler Urs Dickerhof ist die rechte Hand des facettenreichen Betrachters Urs Dickerhof; der Betrachter Urs Dickerhof ist eine unendliche Fortsetzung des Malers Urs Dickerhof. Der eine ohne den andern, das ist undenkbar; der Maler der eigenen Bilder, der Betrachter der eigenen Bilder und der ungezählten Bilder von andern. In Interaktionen spielen beide miteinander, füreinander und gegeneinander. Eile mit Weile, Lust und Laune als steter Versuch möglicher Dekomposition und Rekomposition. Bitten Sie mich ja nicht darum, der gleiche zu bleiben: was Foucault mit bestürzender Einfachheit zwischen den Zeilen unserer angeblich hirnrissig gefestigten Identität als Konstante entziffert hat, nämlich das Zulassen der Verschiedenheiten an sich selbst, gilt hier für beide, den Maler und den Betrachter Urs Dickerhof. Was Derrida und andere mit dem Zerplatzen der Ichheit meinen, zeigen die Bilder von Urs Dickerhof dem Betrachter im sinnlichen Unmittelbar – und nicht durch ein intellektualisierendes Anbei.

André Vladimir Heiz, in: Urs Dickerhof c/o Museum Bochum

 

Wer sich auf eine Bilderreise einlässt, hat unterwegs akrobatische Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bilder als nebulöse Inszenierungen, als trunkene oder sachliche Schilderungen, als Aussichten und Einblicke, als ein Spiel mit der historischen Realität von Konventionen. Bilder als Spielraum, als Versuch, der alltäglichen Logik und Vernunft ein Schnippchen zu schlagen. Bilder als Schauplatz zwischen Himmel und Erde. Es gibt kein wirklich entscheidendes Vorher und Nachher beim Schildern einer Situation. Kontemplatives und Eruptives kann als ganzes wie auch als einzelnes Ereignis gelesen werden. Formale Kürzel verweben die im scheinbar haltlosen Nebeneinander taumelnden Elemente zu Bildmontagen aus Zitat, Alltags-Begebenheit und Reflexion als deren eigene Geschichte, um im nächsten Moment – ein Augenwink genügt – dank einem unmittelbar einbrechenden Eindruck zu einer ganz anderen Geschichte zu mutieren: So oder so, so und nicht so, so und nicht anders. Das ist dann – wie Peter K. Wehrli schreibt – die Stimmung des messerscharfen Ungefähren, dieses streng erforschten Niemandslandes, in dem Urs Dickerhof seine Themen ansiedelt, diese Stimmung, die in mir den Eindruck erzeugt, als betrachte ich nicht einen Bildraum, sondern einen Tatort. Und in einem weiteren Notat von Peter K. Wehrli folgt die Rede vom Abschied: Diese Gefühl von Abschied, das durch viele von Urs Dickerhofs Blättern weht, dieser gelassene Abschied ohne Emotion, der vom Ende der Dinge provoziert wird – ein Ding ist dann zu Ende, wenn es aufgebraucht ist.


Residence 4

Zeitraum: 31. Mai bis 28. Juni 2020

Vernissage: Sonntag 31. Mai 2020 um 15 Uhr 

Beteiligte Kulturschaffende: Stefan Nussli

 

Zur Ausstellung:

sinnlich   sensuel   sensuale

Neugier, Freude, Lust, Offenheit, Lebendigkeit, Anerkennung und Wertschätzung sind der Motor um die Sinnlichkeit in der Kunst zu entdecken.

 

Einige Künstler aus meiner Umgebung werden durch ihre Augen gesehen, sinnliche Anregungen wecken.

 

Albert Einstein hat gesagt: "Der intuitive Geist ist ein kostbares Geschenk und der rationale Verstand ein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft erschaffen, die den Diener ehrt und das Geschenk vergessen hat. Uns an dieses Geschenk zu erinnern, bringt uns auf den Weg zu unserem Sinn des Lebens". 

 

 


Residence 5

Zeitraum: 5. Juli bis 2. August 2020

Vernissage: Sonntag 5. Juli 2020 um 15 Uhr 

Lesung mit Musik und Apéro: Sonntag 19. Juli 2020

Beteiligte Kulturschaffende: Andrea Anastasia Wolf - Lis Blunier & Guests

 

Zur Ausstellung: 

Andrea Anastasia Wolf - zeigt Malereien und dreidimensionale Werke. In ihren Arbeiten umkreist sie immer wieder den Menschen mit seinen nutzbringenden, dekadenten und zerstörerischen Eigenschaften. 

 

Lis Blunier - arbeitet zum Thema Wahrnehmung von Landschaft. Es sind die Details und die Strukturen, die eine besondere Anziehungskraft auf sie ausüben und denen sie mit verschiedenen Medien in ihren Arbeiten Raum gibt. 

 

Guests - Wir erweitern das Konzept der Diversität der Galerie Mayhaus nochmals, stellen einen Teil der Galerie zur Verfügung und laden weitere Künstlerinnen und Künstler dazu ein, sich mit einer zwei- oder dreidimensionalen Arbeit zu beteiligen. Die Werke werden in der "Petersburger Hängung" präsentiert. Diese wird sich im Eingangsbereich den Flur entlang und eventuell die Treppe hinunter fortsetzen. Für die eintreffenden Gäste findet so ein lebendiger und fulminanter Empfang statt. 

 

 

 


Residence 6

Zeitraum: 9. August bis 6. September 2020

Vernissage: Sonntag 9. August 2020 um 15 Uhr 

Beteiligte Kulturschaffende: Lis Kocher / Dieter Seibt / Beat Feller / Therese Berner

 

Zur Ausstellung: